Donnerstag, 10. April 2008
Das Harz-IV-Haus
Wenn jemand auf Harz-IV angewiesen ist, so bekommt die betroffene Person Wohngeld, sofern die Wohnung nicht zu groß ist (45m² für eine Person, 60m² für zwei Personen und für jede weitere Person +15m²) und nicht zu teuer ist (unterer, aber nicht unterster Bereich der ortsüblichen Mieten).

Könnte man nicht mal versuchen Anstelle die Miete zu zahlen mit dem Geld ein Haus zu bauen? Denn wenn man das so organisiert, dass das Haus nach der Tilgung den Bewohnern gehört hätte man den genialen Effekt, dass für diese Personen bleibende Werte geschaffen werden ohne im Vergleich zum jetzigen Vorgehen Mehrkosten zu erzeugen.

Ich könnte mir vorstellen, dass dies den Betroffenen wieder etwas von ihrer Würde zurückgibt, indem sie Verantwortung für ihr eigenes Heim übernehmen.

Eigentlich sollte ja Hartz-IV nur eine vorübergehende Notfallunterstützung sein. Wenn man damit nun ein Haus baut, das ist ja nun doch eher langfristig. Aber (finanziell) schlimmer als Hartz-IV kann es ja kaum noch werden. Wenn die Betroffenen also wieder ein Einkommen haben, so ist die finanzielle Situation mindestens genau so, wie unter Hartz-IV, hoffentlich besser. Und dann können die Menschen das Haus ja erst recht abbezahlen.

Und auch der Staat hätte Vorteile, zum Beispiel in der Alterssicherung (eigengenutzte Immobilien, die nicht zu groß sind dürfen ja behalten werden). Und das würde dann unter dem Strich den Staat wieder weniger belasten.

Kleines Rechenbeispiel für die Region Traunstein mit mal eben gefundenen Zahlen aus dem Netz:

  • Fläche für 4 Personen: 90m² (s.o.)
  • Baugrund 150m²: 20.000,- (zumindest wenn man ein Grundstück ab ca. 900m² kauft und dann sechs Einheiten draufbaut)
  • Fertighaus: 75.000,- Preis ist zwar mit Bodenplatte, allerdings nicht für Bayern, da kommen wohl noch ein paar Euro Transport drauf.
Das macht in Summe 95.000,- Euro. Runden wir das ganze mit den anfallenden Nebenkosten auf 100.000,- Euro auf.

Wenn man 100.000,- Euro für 3,5% finanziert, dann gibt das bei 1% Tilgung ca. 370,- € Belastung pro Monat. Der Zinssatz ist zwar nicht ganz realistisch für den freien Markt (momentan ca. 4,5%), aber nachdem die Risiken für die Bank eher gering sind könnte das ja die KfW mit etwas politischem Willen finanzieren...

Leider habe ich noch nicht herausgefunden was in Traunstein als Mietkosten noch akzeptiert wird.

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Sehe da einige Nachteile!
Zum einen wüßte Jeder - ach, da wohnen die HartzIV Leute. Momentan kann man den Sozial-Bedürftigen nicht unbedingt ansehen das sie von HartzIV leben, aber Jene in Häusern zu sammeln macht etwas transparent, daß in unserer Gesellschaft unglücklich ist. Wir leben halt in keiner Perfekten Gesellschaft. Somit würde man vielleicht eher das Gegenteil erreichen, als von dir angestrebt ist. Und die Kinder in solchen Familien haben dann einen noch schlechteren Start ins Leben, da sie durch eine entstehende Ausgrenzung noch weniger Möglichkeiten haben und dadurch noch wahrscheinlicher ebenfalls mal in solchen Häusern untergebracht werden. Außerdem wo würden den die Häuser stehen, sicher in den sowieso schon verrufenen Gegenden. Wir würden damit eine Ghettorisierung bekommen die einfach nur Falsch ist!

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...die unbedingt vermieden werden müssen
Die von Dir genannten Nachteile sind tatsächlich nicht von der Hand zu weisen und würden alles zunichte machen. Im wesentlichen läuft es darauf hinaus, dass die Betroffenen nicht stigmatisiert werden dürfen. Die Erfahrungen aus dem Sozialen Wohnungsbau (auch hier gibt es ja das Problem der Ghettoisierung) sollte man berücksichtigen. Diese Häuser könnten z. B. eingebettet (und gut verteilt) in einer neu geplanten Wohnsiedlung (evtl. im Rahmen eines "Einheimischen-Modells") entstehen. Auf keine Fall hatte ich dabei in "Hartz-IV-Viertel" im Sinn...

Das Problem mit der Lage ist dagegen eher allgemein. Auch die Wohnungen im unteren Mietsegement liegen wohl eher in den schlechteren Gegenden. Auch hier ließe sich durch die Integration solcher Häuser in Neubaugebiete einiges bewirken. Was in ländlicheren Regionen (mit günstigerem Grund) sicher einfacher ist als in Boom-Regionen.

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Famose Idee und betriebswirtschaftlich womöglich noch sinnvoll. Es wird auch nicht an der Hartz IV Ghettoisierung scheitern, muss ja nicht an der Bautafel stehen "Hier entsteht ein H-IV Wohnpark". Das Problem kommt von ganz anderer Seite, dafür verwette ich meinen Hut. Ich sehe schon die Schlagzeile vorne auf der Dumpfbacken-Postille: "Fauler Hartz-IV Sack kriegt Haus geschenkt! Wird Faulheit jetzt belohnt?"
Mit diesem verlockenden Modell kämen die zu Besitz, die ja gerade nichts haben sollen, so ist es doch erwünscht. Was soll denn der Lokführer denken, der leider kein Hartz-IV bekommt sondern zwölf Stunden Schichten fährt und ums Verrecken damit nicht mal das Geld für einen Schrebergarten übrig behält? Nein, so schön das Modell ist (es liesse sich ja noch fortspinnen: billige Kredite vonm Staat für Bauwillige, die sich örtlicher Kleinbetriebe bedienen, Renovierungszusschüsse für energiesparende Massnahmen etc., die Liste liesse sich verlängern), es wird an der in diesem Lande herrschenden Neid-Epidemie scheitern. Und nicht an Stigmatisierung. Meine Güte, was hätte man mit dem Geld alles machen können, was unsere Herrschaften Landesbanker et. al. in ihrer unermesslichen Gier versenkt haben.

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Nun - wenn wir nichts dagegen unternehmen, dann wird sich diese Einstellung sicher nicht ändern. Es ist eben bequem die Hartz-IV-Betroffenen für Faule Säcke und Sozialschmarrotzer zu halten. Man selbst ist das ja nicht (weder faul noch ein Schmarrotzer), und somit kann einem ja eigentlich nix passieren, oder? Und Dinge, die einem Angst machen betrachtet man besser nicht so genau...

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Dass H-IV Leute faul sind etc. ist nicht meine Meinung! Ich habe lediglich versucht das wiederzugeben, was sich bei dem Versuch der Umsetzzung eines solchen Projektes an "Öffentlichkeitsarbeit" abspielen wird. Nichts wünschte ich mir mehr als Veränderungen. Und wo immer ich eine Chance sehe helfe ich gerne mit. Aber was wir wirklich brauchen ist eine Systemveränderung. Und wie schwer es ist hierzulande noch etwas zu verändern bekommen Sie gerade in Hessen vorgeführt. Aber trotzdem. Ihre Idee ist ja nicht schlecht.

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Ich unterstelle Ihnen keine solche Meinung und habe auch den Kommentar nicht so verstanden - bitte entschuldigen Sie wenn das in meiner Antwort so rüberkam.

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Wer ALG II bezieht, bekommt kein Wohngeld, sondern die Kosten für die Unterkunft (plus Heizkostenzuschuss). Wohngeld ist etwas völlig anderes. In den Ballungsgebieten gibt es übrigens für 100.000 Euro nicht einmal eine Zwei-Zimmer-Wohnung, geschweige denn, dass man dafür ein Haus finanziert bekäme. Und Traunstein klingt nun nicht gerade nach einer Gegend, wo es viele Jobs gibt - wenn sich Arbeitslose aber da ein Haus von dem Geld bauen dürften, dann wären sie nicht mehr mobil und flexibel für die Jobsuche, und gerade das wird doch von Arbeitslosen verlangt. Im Übrigen hat colloredo recht, wie wollen Sie den anderen, die kaum mehr verdienen, vermitteln, dass Hartzies ein Haus finanziert bekommen?

Abgesehen davon hängt Würde nicht von dem Besitz eines Hauses ab.

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Wohngeld / Unterkunftskosten - das mag rein rechtlich eine andere Sach sein - aber wenn ich es richtig verstanden habe bekommen die betroffenen Menschen in beiden Fällen Geld, um angemessen wohnen zu können. Somit sollte das für meine Betrachtungen eigentlich irrelevant sein - oder habe ich etwas übersehen?

Zu dem Problem der kaum-mehr-verdienenden: Wenn es für einen Harz-IV Empfänger möglich ist auf Basis der regulären(!) Leistungen Wohneigentum aufzubauen, so funktioniert das auch für alle anderen. Die Idee von mir war ja gerade, keine zusätzlichen Leistungen in Anspruch zu nehmen.

Und zu guter Letzt - die Würde eines Menschen hängt mit Sicherheit nicht vom Besitz eines Hauses ab, da gebe ich Ihnen Recht. Aber eventuell davon, dass man den Menschen Vertrauen entgegenbringt...

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Wohngeld ist nur ein Zuschuss zur Miete, der Empfänger muss auf jeden Fall einen Teil selbst tragen. Einem Hartzie werden die Kosten der Unterkunft in voller Höhe gezahlt, vorausgesetzt, Miete und Wohnungsgröße sind angemessen. Meiner Meinung nach sollte man schon darauf achten, die Begriffe korrekt zu verwenden, weil man sonst nur Verwirrung stiftet und andere nicht sofort eindeutig wissen, wovon eigentlich die Rede ist.

Wie gesagt, in Ballungsgebieten ist es schlichtweg nicht möglich, auf Basis der regulären Leistungen Wohneigentum aufzubauen. Und ich glaube nicht, dass alle Hartzies den Wunsch verspüren, nach Traunstein zu ziehen. Die, die ich kenne, wollen das bestimmt nicht.

Bei Ihrer Berechnung fehlen die Notarkosten und Grundbuchkosten, die nicht ganz unerheblich sind. Katasteramt, Finanzamt und die Gerichtskasse wollen auch noch Geld, und auch die Baugenehmigung gibt es nicht kostenlos. Wenn das Haus erst einmal steht, fallen auch noch etliche Kosten an, Versicherungen, Grundsteuer usw. Wer zahlt das in Ihrem Beispiel?

Bei einer Tilgung von monatlich 370 Euro zahlt man in Ihrem Beispiel länger als 22 Jahre ab, sofern ich mich jetzt nicht auf die Schnelle verrechnet habe. Gehen wir davon aus, dass die Eltern tatsächlich all die Jahre arbeitslos bleiben, weil sie dummerweise ihr Hartz IV-Haus in der Uckermark oder in einer anderen strukturschwachen Gegend gebaut haben. Nun sind die beiden Kinder aber zwischendurch erwachsen geworden und ziehen aus (Sie sprachen oben von einer vierköpfigen Familie), schwupps, erhalten die Eltern weniger Geld für die Unterkunft. Können die dann noch die Tilgungsraten aufbringen? Und wovon bezahlen die eigentlich die Renovierungskosten, womöglich muss auch das Dach 'mal ausgebessert oder die Heizung erneuert werden?

Glauben Sie nicht, dass Leute mit geringen Einkommen (knapp über Hartz IV) sich nicht schon Wohneigentum leisten würden, wenn es mit 370 Euro im Monat getan wäre?

Und schließlich muss man sich noch fragen, ob es überhaupt wünschenswert ist, dass die Gegend noch stärker zersiedelt und noch mehr Flächen versiegelt werden, weil noch mehr Leute sich Häuser bauen.

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